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ICH WAG EIN WORT - Lieder und Geschichten zur Lage -

...übers Gestern, Heute und Morgen - so könnte der vollendete Titel des Programms lauten.

Die Schauspielerin Angelika Neutschel singt von der Vergangenheit in jenem Ländchen, das DDR  hieß. Sie singt vom Leben in der BRD, jenem anderen Land, und von dem, was Sicherheit und Friede in diesem anderen Land bedroht. Keine Panik, A. Neutschels Programm ist nur bedingt politisch, sofern nicht jede ernsthafte künstlerische Äußerung politisch ist. Und ernsthafte künstlerische Äußerungen sind die Auftritte dieser Künstlerin allemal.

Sie singt, was sie weiß. / Und sie weiß, was sie singt / sagt Erich Kästner über seine Chansonette. Gleiches läßt sich über Angelika Neutschel sagen. Das hebt sie wohltuend von dem allgemeinen Heiterkeitswahn ab, der deutsche Kleinkunstbühnen befallen hat. Dennoch hat auch A. N. eine Schwäche fürs Heitere. Doch bevorzugt sie Heiterkeit mit Sinn und Hintergrund. Solcherart blickt die Sängerin auf ihre Kindheit in einer Kleinstadt, auf den Traum vom Schauspielerberuf, aufs heutige Theater und auf Menschen, die sich ihr eigener Teufel sind.

Andere Töne hört man von Angelika Neutschel, geht es ihr um Alter und Einsamkeit oder um das Hauptthema aller Sänger: die Liebe...

Ernste, besorgte Töne schlägt A. N. an, singt sie von der Jugend, von Chancenlosigkeit und Brutalität. Antworten hat die Neutschel keine, aber Fragen, Fragen... Vielleicht stellt sie an diesem Abend auch Ihre Fragen. Oder Sie erkennen jenen Opportunisten wieder, von dem die Künstlerin zu singen weiß, wenn sie dann doch politisch wird und ihr Komponist Manfred Schmitz nach vielen sanften, melancholischen und humoristischen Melodien satirisch scharfe Noten vorgibt. Ach ja, die Musik, die Lieder: Angelika Neutschel bringt bei ihren Auftritten Lieder unter die Leute, um nicht zu sagen Ohrwürmer. Sie verschaffen den Texten des Autors Erwin Berner zusätzliche Dimension, machen Berners Geschichten im besten Wortsinne volkstümlich.

Also, es erwarten Sie kluge Lieder, vorgetragen von einer wissenden Interpretin, die in der Inszenierung von Erwin Berner von gleichwertigen Musikern, Irene Wittermann (Piano) und Clemens Arndt (Saxophon/Klarinette), begleitet wird.

Aus der Presse:

Das Chanson lebt – und wie. Köstlich die komödiantische Vorführung der kleinen Episode von der Karriereleiter. Sie wurde nur noch überboten von dem Lied „Die Gunst der Stunde“, in dem sie mit hochgeschlossenem Bluseneinsatz eine bekannte Ministerin karikierte, „Wir haben uns gefunden, Frau Trulle und Herr Fett“, rezitierte die Neutschel. Szenenapplaus gab es ebenfalls für das Opportunistenlied mit der Zeile „Ich bin dabei gewesen, sah ich es ist soweit“. Am Schluß zeigte die Neutschel in der Rolle eines Junkies und eines Neonazis mit dem Finger auf die Wunden von Gewalt, Drogensucht, Armut und Rassenhaß. Doch der Alltag geht weiter. Wie in der Medienwirklichkeit kommen auch in diesem satirischen Programm nach den Schreckensmeldungen die Gesellschaftsnachrichten und die Seelenschau in der Talkrunde.

(Meininger Tageblatt)